Um keinen anderen Schmuckstein wird so viel Gewese gemacht
wie um den Diamanten. Und wenn manche der mehr oder weniger geistreichen
Werbesprüche auch übertrieben klingen, so ist doch unbestreitbar:
Der Diamant ist etwas ganz Besonderes.
Als einziger Schmuckstein besteht der Diamant aus nur einer Atomart: Kohlenstoff.
Daher können die Atome untereinander vollkommen gleiche, symmetrische Bindungen
aufbauen.
Dieser Atombindung verdankt der Diamant
seine außerordentliche Härte, die von keinem anderen Mineral erreicht wird.
Dennoch ist diese perfekte Kristallstruktur im Vergleich zu Graphit weniger stabil.
Nur unter unvorstellbar hohem Druck wandelt sich Graphit in Diamant um.
Ist aber die Metamorphose einmal vollzogen, zeigt das Diamantgitter zum Glück
keine Neigung zum spontanen Zerfall, wenn der Druck wieder nachlässt.
Für den Schmuckwert des Diamanten bedeutender ist seine extrem hohe
Lichtbrechung.
Sie lässt ihn glitzern und funkeln, wenn der Schleifer aus dem meist
unscheinbaren Rohstein einen facettenreichen Schmuckstein hervorzaubert.
Physikalische Grundlage ist die
Totalreflexion,
durch die ein großer Teil
des einfallenden Lichtes wieder nach oben aus dem Stein austritt.
Dabei bewirkt die
Dispersion
eine Aufspaltung des Lichtes in die Spektralfarben
(wie an einem Prisma).
Schließlich sorgen die vielen Facetten dafür, dass sich die optischen Verhältnisse
bei jeder kleinen Bewegung ändern, was ein Aufblitzen und Verlöschen einzelner
Strahlengänge und ein lebhaftes Farbspiel hervorruft: der Stein zeigt Feuer.
Diese schöne Wirkung kann in Vollendung aber nur eintreten, wenn der Stein bestimmte Qualitätsmerkmale aufweist.
Die wichtigsten sind die berühmten 4C , nach den Anfangsbuchstaben der
englischen Stichworte Color (Farbe), Clarity (Reinheit), Cut (Schliff) und
Carat (Gewicht).
Als ideale Farbe des Diamanten gilt ein reines Weiß, womit ein
völlig farbloser Stein gemeint ist.
Die meisten Schmuckdiamanten haben
einen leichten Gelbstich. Auch deutlich gelb, braun oder grün gefärbte Steine
(Fantasiefarben) kommen vor; sehr selten sind rosarote oder zartblaue Stücke.
Obwohl das letztlich Geschmackssache ist, kommt die hohe Wertschätzung des
farblos transparenten Diamanten nicht von ungefähr:
Die Materie Stein verflüchtigt sich, wird zum funkelnden und sprühenden Licht.
Im Diamanthandel sind mehrere Farbskalen in Gebrauch mit jeweils etwa einem Dutzend
Abstufungen.
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Infolge der feinen Abstufung wirken Steine der obersten drei bis vier Klassen ähnlich farblos, während im unteren Drittel ein gelber bis bräunlicher Farbton nicht zu übersehen ist. Im Bereich dazwischen hängt es sehr von der Beleuchtung und umgebenden Farben ab, wie stark die Färbung wahrgenommen wird.
Diamanten ohne Einschlüsse bilden die seltene Ausnahme.
Je größer der Stein, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines kleinen oder größeren
Fehlers.
Die Reinheit von Diamanten wird sehr streng beurteilt; als fehlerfrei (lupenrein)
gilt nur ein Stein, bei dem auch eine erfahrene Gemmologin mit der
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Größere, mit bloßem Auge sichtbare Einschlüsse sind nicht nur unschön, sie stören auch den Strahlengang im Stein und mindern dadurch die Brillanz. Das fällt aber erst bei den untersten Qualitätsstufen wirklich auf und bei Steinen mit wenigen Flächen (z.B. mit Baguette- oder Smaragdschliff) eher als bei anderen. Zu bedenken ist allerdings auch, dass die Reinheitskriterien sich an der absoluten Größe der Fehler orientieren ohne Bezug auf die Größe des Steins. In kleinen Steinen fallen deshalb die Einschlüsse relativ (!) stärker ins Gewicht und können die Brillanz eher beeinträchtigen. Gerade bei Steinen unter 0,1 ct sollte man auf die Reinheit achten und keine Qualitäten unter SI wählen.
Diamanten soll es in über 1000 Schliffformen geben. Obwohl dabei
vermutlich auch die individuellen Schliffe der großen Unikate mitgezählt sind,
ist es doch erstaunlich, dass heute eine einzige Form dominiert:
der Brillant.
Noch erstaunlicher ist vielleicht, dass dafür nicht primär wirtschaftliche Gründe,
wie niedrige Bearbeitungskosten oder hohe Materialausbeute die Ursache sind,
sondern (fast) nur die optimale Ausnutung der Lichtbrechung.
Ein Brillant macht einfach mehr her als die meisten anderen Schliffformen.
Und jeder kennt ihn.
(Das sind wiederum Tatsachen, die auch wirtschaftlich relevant sind.)
Ein Brillant besitzt im Oberteil, der Krone, 32 Facetten, die kreisförmig
um die Deckfläche, die Tafel, angeordnet sind.
Zusammen mit den 24 Facetten der Unterseite ergibt das 57 Flächen oder,
wenn man die winzige, manchmal fehlende, Kalette an der Spitze mitzählt, 58.
Diese Schliffflächen sollen möglichst gleichmäßig und radialsymmetrisch ausgeführt
und fein poliert sein.
Für die optimale Lichtausbeute sind nicht nur Anzahl und Lage der Flächen wichtig,
sondern auch die Proportionen des Steins.
Bei einem gut geschliffenen Brillanten beträgt die Höhe ca. 60% des Durchmessers
und das Verhältnis von Ober- zu Unterteil etwa 1:3.
Bei größeren Abweichungen verschlechtern sich die Bedingungen für die Totalreflexion;
ein Teil des Lichtes, das eigentlich nach oben reflektiert werden sollte,
tritt seitlich aus und ist für die Brillanz verloren.
Da Diamanten bekanntlich nach Gewicht bezahlt werden, sind schlecht proportionierte
Steine gar nicht selten, weil sie mit geringerem Materialverlust hergestellt werden
können (Sparschliff).
Hinzu kommt der geringere Arbeitsaufwand: Wie man sich leicht vorstellen kann, ist
die Bearbeitung von Diamant eine ziemlich zeitraubende Angelegenheit.
Und schließlich wird ja auch kostbares Material erhalten, das sonst in Staub
verwandelt würde.
Über den rechten Umgang mit diesem Dilemma ist es hauptsächlich in den USA
zu einer lebhaften Debatte gekommen. Ausgelöst wurde die Diskussion durch
Versuche unseriöser Anbieter, minderwertige Brillanten zu scheinbar besonders
günstigen Preisen an den Mann zu bringen, ohne auf die nachteiligen Proportionen
hinzuweisen. Verständlich, dass die Juweliere dies als
unlauteren Wettbewerb ansahen und mit einer Aufklärungskampagne konterten.
Inzwischen ist ideal cut zum Wertbegriff avanciert, für den die Kundschaft
Aufschläge bis zu 30% gegenüber weniger idealen Steinen zu zahlen bereit ist.
Jetzt entscheidet der aufgeklärte Kunde, ob er einen Stein mit besten optischen
Eigenschaften kaufen will oder für's gleiche Geld einen größeren, etwas weniger
brillanten Brillanten, oder - dritte Möglichkeit - er die Differenz lieber sparen
möchte.
Neben dem Brillanten sind durchaus noch andere Schliffe gebräuchlich, die dort
ihre Berechtigung haben, wo aus gestalterischen Gründen ein runder Stein nicht
optimal ist.
Für einen Bandring z.B. ist die quadratische Prinzessform besser geeignet und
steht dem Brillanten an Prachtentfaltung kaum nach.
Als Ohrhänger ist die Tropfenform beliebt.
Sehr exquisit wirkt die an ein Schiff erinnernde Navetteform.
Einen eigenen Reiz haben auch die in altem Schmuck verarbeiteten Diamanten,
deren vielfältige Schliffarten unter dem Oberbegriff Altschliff laufen.
Infolge der geringeren Brillanz erscheinen die Steine dunkler, der starke
Flächenglanz des Diamanten aber kommt besser zur Geltung.
In der Wirkung ähnlich sind der Baguette- und der Smaragdschliff, denen nur
Kenner sofort den Diamanten ansehen, also etwas für Leute mit Sinn für
Understatement.
Die optimale Größe des Diamanten scheint der Einkaräter zu sein
wenn man der Werbung glaubt.
Damit lässt sich in der Tat ein prachtvoller Solitärring bauen;
aber schon kleinere Formate sind auffallend schön, und geschickte Juweliere
schaffen aus winzigen Steinchen gleißende Lichtflächen.
Bei so teuren Steinen wie dem Diamanten ist eine Abwägung zwischen Kosten
und Schmuckwert ganz besonders wichtig.
Obwohl das aus gestalterischer Sicht eine gewisse Einschränkung bedeutet,
kann man schönen Diamantschmuck herstellen, der nicht nur für Raffke & Co.
erschwinglich ist.
Es lohnt sich daran zu erinnern, dass Volumen und Masse eines Körpers mit
der dritten Potenz des Durchmessers zunehmen.
Bis der Durchmesser sich verdoppelt, steigt das Gewicht um den Faktor 8
und der Preis des Diamanten um das
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Tabelle und Diagramm zeigen diese Zusammenhänge für den korrekt geschliffenen Brillanten.
Kein Zweifel: ein Diamant ist ein Wertobjekt.
Und eines von bleibendem Wert, im Unterschied zu den meisten anderen
Konsumgütern wie Auto, Fernseher, Computer oder Kleidung.
Ist deshalb der Diamant auch eine gute Geldanlage?
Das ist Ansichtssache und ein Thema für Anlage- oder Steuerberater.
Mir jedenfalls tut es Leid um die vielen herrlichen Schmucksteine (beileibe nicht
nur Diamanten), die hinter Tresortüren auf schlechte Zeiten warten.
Die folgenden Empfehlungen sprechen ausschließlich von Diamanten in und für
Schmuck. Ich möchte also der Frage nachgehen, welche Steinqualitäten und
Beginnen wir bei der Farbe: Völlig farblose Diamanten sind sehr selten und
entsprechend teuer. Wenn der Preis überhaupt eine Rolle spielt, kommen sie
nicht in Betracht. Im Ring gefasst und ohne direkten Vergleich ist ein Stein der
vierten Stufe (G) kaum von einem der zweiten (E), wohl aber von einem der
sechsten Stufe zu unterscheiden.
Hier kann der preisbewusste Käufer, für den der Schmuckwert im
Vordergrund steht, viel Geld sparen (bis zu 30%).
Zusammen mit Farbsteinen reicht u.U. sogar eine leicht gelbliche Qualität.
Einschlüsse sind zu tolerieren, solange sie nicht direkt oder indirekt
in Erscheinung treten. VS oder SI reichen aus; auch in P1 gibt es noch brauchbare
Steine. Darunter fällt die Qualität deutlich sichtbar ab.
Der Schliffqualität wird selten die nötige Beachtung geschenkt, obwohl sie
gerade bei Brillanten sehr wichtig ist. Selbst ein Laie kann ohne Hilfsmittel
einen gut geschliffenen Stein im direkten Vergleich von einem sehr schlechten unterscheiden.
Makellose Verarbeitung in Schliff und Politur ist nur bei großen und teuren
Diamanten selbstverständlich, wo der hohe Arbeitsaufwand nicht ins Gewicht fällt.
Steine unter 500 € findet man selten in hoher Qualität.
Durch Sachkenntnis, Erfahrung und seriöse Bezugsquellen versuche ich, meinen
Kunden schöne und möglichst preiswerte Steine anzubieten.
Hinsichtlich der Größe ist guter Rat nicht teuer:
Zwei kleine Steine kosten viel weniger als ein doppelt so schwerer und sie erscheinen
zusammen auch noch größer.
Diese Regel ist aber nach unten (zu sehr kleinen Steinen) begrenzt, weil ein Teil
des Steins durch die Fassung verdeckt wird und das Fassen jedes einzelnen Steins
Arbeit und Kosten verursacht.
Der bekannteste Werbespruch für Diamanten behauptet, er sei
unvergänglich. Richtig daran ist, dass Diamant infolge seiner Härte beim
Tragen nicht verkratzen oder verschleißen kann. Auch gegen chemische Angriffe ist er
weitestgehend immun. Verwechseln Sie Härte aber nicht mit Schlagfestigkeit.
Ein Hieb mit dem Hammer könnte ein ähnlich trauriges Ergebnis liefern wie der nämliche
Versuch an einer schlagfesten Armbanduhr. Und das Element Kohlenstoff verliert
in der Modifikation Diamant nicht seine Affinität zum Sauerstoff.
Auch wenn sein Flammpunkt um einiges höher liegt als bei gewöhnlicher Kohle,
sollte man die Unververgänglichkeit des Diamanten besser nicht im Kaminfeuer
testen.
Abgesehen von solchen Torheiten ist der Diamant robust wie sonst kaum etwas,
also ideal für den Familienschatz, an dem viele Generationen ihre Freude haben können.